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    <title><![CDATA[On the Heights of Despair]]></title>
    <subtitle><![CDATA[The very long journey of a man called me]]></subtitle>
    <author>
        <name><![CDATA[Niels Fallenbeck]]></name>
    </author>
    <updated>2025-10-12T00:00:00+02:00</updated>
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        <title type="html"><![CDATA[Die letzte Party]]></title>
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        <updated>2025-10-12T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Ich kenne drei Herangehensweisen an Musik:
Über die Melodie, über den Rhythmus und über den Text.</p>
<p>Gegen Mitternacht bebt der Boden, der getränkegefüllte Kühlschrank neigt sich
im Takt (die Spezi winkt mir zu!) und zwischen zwei Strophen zersplittert ein
Krug auf dem Laminat. Ich versuche es wirklich, verstehe allerdings nur "BMW"
und "das wäre eine sinnvolle Investition" und behalte die Plastik(?)pflanze auf
dem Tisch vor der Wand mir gegenüber im Auge. Sie nickt mir zu, wenn sie
springen, und uns dröhnen die Ohren, während der Bass den nächsten Krug
übertönt. 
Die Lautstärke gibt uns die Zeit, über das Gesagte nachzudenken.
Oder zu tanzen.</p>
<p>Dieser Raum besteht aus drei Containern, Stock eineinhalb, halbe Treppe.
Solche Orte gibt es selten, ich habe bisher nur darüber gelesen. 
Aus dem Fenster fällt der Blick auf einen bemalten S-Bahn-Waggon mit
Katzengesicht.</p>
<p>Sie haben erzählt, sie wohnen jetzt am Waldrand. Nur fünfundzwanzig Minuten mit
dem Auto (aber einestundezwanzig mit der Bahn)! und mussten selbst lachen. Ein
anderer, dessen Gesicht ich erinnere aber nicht dessen Namen, fragt mich "bist
Du noch so unterwegs?". Mein nichtmehrsosehr passt auf alles, was er gemeint
haben kann.</p>
<p>Ich genieße die Situation. In den lauten Momenten (diese Ruhe!) fallen mir die
Pullover auf und die Hemden, die sie tragen. Die in ihnen steckenden
verschwitzten Gesichter. Die Arbeit, um aus dem Abend zu machen, was er jetzt
ist. Zweimal wähne ich uns in einem Film. In einem Werner-Fassbinder-Moment
denke ich <a href="https://nice-bastard.blogspot.com/2025/10/feine-erste-satze-72.html">an diesen
Satz,</a>
den <a href="https://www.spiegel.de/kultur/tournee-in-den-tod-a-5e0bcd0e-0002-0001-0000-000052263716">ganzen
Artikel</a>,
der mit ihm beginnt und dass nicht nur der Beschriebene tot ist, sondern
auch jener, der ihn beschreibt. Und: Ist das hier die letzte Party?</p>
<p>Können sie in zehn Jahren noch springen?</p>
<p>Die Krüge zählen herunter, langsam wird es Zeit.
Deine roten Augen stimmen mir zu.
Dem Nachtleben singe ich auf dem Heimweg "Fremd" von blobkanal vor.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
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        <title type="html"><![CDATA[Make Something Wonderful]]></title>
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        <updated>2025-04-27T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Ich würde nicht sagen, dass <a href="https://stevejobsarchive.com">Steve Jobs</a> in
meinem Leben je eine ikonische Rolle über- oder eingenommen hat. Ich war zu
jung, um seine erste Zeit bei Apple wirklich mitbekommen zu haben und 1997, als
er das zweite Mal zu Apple kam, versuchte ich gerade, mit Linux glücklich zu
werden.</p>
<p>Letztlich hat es bis 2005 gedauert, bis ich, auch wegen vehemenden Schönredens
durch einen meiner damaligen Hochschuldozenten - Hallo, Michael 👋 - ein
bereits bei Erscheinen hoffnungslos langsames
<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/PowerBook_G4#Aluminum_(2003-2005)">PowerBook</a>
mein Eigen nennen konnte. Ich ahnte damals die Schönheit der Komponenten, deren
Behäbigkeit warf jedoch einen dunklen Schatten auf dieses Notebook, das
irgendwo im Keller seinen Schlaf der Gerechten schläft.</p>
<p>Ich erinnere mich, wie ich noch im Bett lag, als mir das wunderschöne Mädchen
an jenem Morgen in 2011 erzählte, dass Steve Jobs gestorben ist. Aus
irgendeinem Grund habe ich noch die Handelsblatt-Ausgabe dieses Tages in meinem
Bücherregal und wünsche mir <a href="https://stevejobsarchive.com/book">jenes Buch</a>
daneben, das ich nur digital besitze und das nur in einer sehr geringen
Stückzahl als wirkliches Buch existiert.</p>
<p><img alt="Handelsblatt vom 07./08. Oktober 2011" src="pictures/make-something-wunderful_handelsblatt.jpg" /></p>
<p>In der Sonne bei einem Kaffee las ich heute einige Abschnitte daraus über
Management, als mich ein Satz zurückwarf (oder nach vorn in die kommende
Woche) in meine Realität und das Ringen und die Unzufriedenheit mit den
Aufgaben meiner aktuellen Rolle.</p>
<blockquote>
<p>And what I found is that nobody in their right mind wants to be a manager.
[Audience laughs.] It's true. It's a lot of work, and you don't get to do the
fun stuff. But the only good reason to be a manager is so some other bozo
doesn't be the manager - and ruin the group you care about.</p>
</blockquote>
<p>Das wird noch einige Kaffees auf diesem Balkon brauchen, bis ich weiß, was zu
tun ist. Während man oft hört, dass Steve Jobs ein unangenehmer Vorgesetzter
gewesen sein soll, werde ich qua Gnade (sowohl geographisch als auch zeitlich)
entfernter Geburt allein seinem Optimismus gewahr, der aus den kurzen Kapiteln
dieses Buches scheint.</p>
<p><img alt="Make what you love your work." src="pictures/make-something-wonderful_office.jpg" /></p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Simplify!]]></title>
        <link href="https://fallenbeck.com/simplify.html"/>
        <id>https://fallenbeck.com/simplify.html</id>
        <updated>2025-04-14T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Ich spüre gerade das Bedürfnis (besser: die Notwendigkeit), Dinge zu
vereinfachen und dadurch den "Mental Load" zu verringern.</p>
<p>Dies umfasst persönliche Geräte (Handy, Computer), die (Arbeits)Umgebung in der
man sich aufhält, aber auch Dinge wie die eigene Garderobe:
Nicht nachdenken zu müssen, was man anziehen sollte.</p>
<p>Ich habe heute Dinge von meinem Schreibtisch geräumt, weil man sagt, dass ein
aufgeräumtes Umfeld einen aufgeräumten Geist bedingt. Vielleicht ist das
individuell wie das Wohlgefühl, das sich in einer aufgeräumten Umgebung
einstellt: Auf meinem Computer habe ich alle Notifications deaktiviert, was
dazu führt, dass ich erst Stunden später feststelle, eine Mail bekommen zu
haben. Den zweiten Monitor habe ich abgeschlossen, die Idee dahinter ist
einfach: Nur das sehen zu können, an dem ich gerade arbeite.</p>
<p>Ich habe jedoch offene Baustellen, die es zu befrieden gilt:</p>
<p>Ich sitze gerade wieder im Kaninchenbau der <a href="keyboards.html">mechanischen Keyboards</a>. Dies umfasst
nicht nur das Neulernen des Schreibens auf einem ergonomischen Split-Keyboard, sondern
auch die Umgewöhnung auf ein (für mich neues) Keyboard-Layout.</p>
<p>Dann umtreibt mich die Idee, einige meiner Server auf ein anderes
Betriebssystem umzuziehen - aus Gründen des Erkenntnisgewinns und um einen
Kontrapunkt zu setzen gegen die überall sichtbar werdende Überkomplexität, in
die sich andere stürzen.</p>
<p>Oder: Armbanduhren (lies: Smartwatches und Sportuhren)! Soll ich die
Sportuhr tragen, deren Bedienkonzept mir deutlich besser gefällt als der
Touch-Mist, den heutzutage jeder Depp und sein Bruder verbauen? Leider hat
letztgenannte Uhr die deutlich bessere Smartwatch-Funktionalität...</p>
<p>In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tNZnLkRBYA8">Interview</a> mit <a href="https://lexfridman.com/">Lex
Fridman</a> erzählte <a href="https://github.com/ThePrimeagen">the
Primeagen</a> von seinem Ansatz, die
Konfiguration seiner Arbeitsumgebung nur einmal im Jahr zu überarbeiten: Wenn
ihn außerhalb dieser Zeit etwas stört, schreibt er diesen Punkt auf für das
nächste Zeitfenster, das er sich einräumt, um Dinge zu ändern. Er wendet diese
Idee auf seine Software-Tools an, für mich klingt dieser Ansatz generell wert,
ausprobiert zu werden.</p>
<p>Allein: Bin ich schon dort?
Bin ich schon bereit, mit der heutigen Konfiguration das nächste Jahr zu
verbringen?</p>
<p>Ich muss aufpassen, nicht zu übertreiben und die Idee ad absurdum zu führen.
Sonst ginge es mir wie meinem Freund, der in seinem Kalender keinen Termin für
sein Zeitmanagement-Seminar findet.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Wetzlar]]></title>
        <link href="https://fallenbeck.com/wetzlar.html"/>
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        <updated>2024-11-30T00:00:00+01:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Die kleine verschlafene Stadt an der Lahn, die bis zu ihrem Tod die Stadt meiner
Mutter gewesen ist, gerät mir immer mehr in mein Leben.</p>
<p>Ich bin nicht weit entfernt von Wetzlar aufgewachsen, ein paar Kilometer die
Autobahn entlang in Richtung Norden. In meiner Kindheit war Wetzlar eine der
beiden Städte, in die man zum Einkaufen fährt. Aufgrund seiner Größe wurde
jedoch oftmals das nicht weit entfernte (und: deutlich weniger attraktive)
Gießen bevorzugt.</p>
<p>Die Stadt meiner Mutter wurde Wetzlar in den Jahren nach der Trennung meiner
Eltern Ende der neunzehnhundertneunziger Jahre, als ich mein Abitur absolvierte
und meinem Elternhaus den Rücken kehrte. In den Wirren des Lebens ging das von
meinen Eltern gebaute Haus verloren und meine Mutter zog es in diese Stadt, in
der sie schon viele Jahre arbeitete und, wie ich später erfuhr, hervorragend
vernetzt gewesen sein muss.</p>
<p>Den guten Jahren folgten zwei schreckliche.
Sie erfüllte sich einen Traum, den sie zu kurz (er)leben konnte. Ich besuchte
Wetzlar häufiger als jemals zuvor und dennoch trage ich heute dieses Gefühl:
zu selten.</p>
<p>Bevor diese Zeit begann, lebte ich nicht weit entfernt in Marburg, einer anderen
Stadt an der Lahn, deren Stadtkerne sich ähneln. Marburg hat den Vorteil der
zahlreichen Studenten, während die Wetzlarer Altstadt müde und leer scheint; wo
in Marburg betrunkene Akademiker morgens um vier durch die Gassen schleichen,
findet man in Wetzlar volltrunkene Hängengebliebene oder Schonimmerdortwohnende.</p>
<p>Wir lebten unsere Leben parallel, haben selten telefoniert, uns deswegen
entfremdet. Nicht absichtlich, doch das passiert, wenn man nur wenig aus seinem
Leben teilt. Meine Mutter wusste mich in guten Händen: ich war niemand, um den
sie sich jemals zu sorgen brauchte. Und ich gestand ihr das gleiche zu.</p>
<p>Erst rückblickend wird mir klar, was ich in dieser Zeit für sie - als
einziges Kind - gewesen bin, wie sie daran arbeitete, dass es mir (und
schließlich meiner Familie) so gut gehen konnte wie jetzt. Sie hat sehr viel
getan (heute bin ich unsicher: ertragen? vielleicht mehr für mich als für
sich), das ich erst jetzt erkennen kann und das mich dankbarer werden lässt mit
jedem Jahr. Ich habe ihr das nicht zeigen können zu Lebzeiten, doch hoffe, sie
hat gewusst, dass ich dies in Zukunft verstehe. Ich unterstelle ihr: Vieles tat
sie im Hinblick auf mich.</p>
<p><img alt="Familie" src="./pictures/familie.jpg" /></p>
<p>Mit der Stadt, in der ich aufwuchs, verbindet mich nichts mehr. Dort lebt
niemand mehr, <em>es</em> lebt niemand mehr.</p>
<p>In Marburg verbrachte ich zehn gute Jahre meines Lebens. Die Menschen, mit
denen ich wohnte, halten Kontakt, wir sehen uns mit seltener Regelmäßigkeit. Ich
bin Marburg sehr zugeneigt, weil ich tolle Geschichten erinnere und
Freunschaften herumtrage aus dieser Zeit, einige der wichtigsten meines Lebens.</p>
<p>Doch zu Wetzlar verspüre ich eine tiefere Bindung; noch nicht sehr lange, aber
sie wird intensiver. Eine ererbte Verantwortung, die schwerer wird, wichtiger
über die Zeit. Kurz vor ihrem Tod fragte mich meine Mutter, was ich plane. Ich
sagte ihr ehrlich, das wisse ich nicht. Heute spüre ich das Bedürfnis intensiver
denn je, diese Verbindung nicht abreißen zu lassen, so lange ich kann.
Aus Dankbarkeit meiner Mutter gegenüber.
Und für meine Töchter.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Born to ride]]></title>
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        <updated>2024-08-04T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Wir sind nicht häufig hier in diesem kleinen Ort, der sich ins Tal duckt wie
eine Katze auf Beutefang. Hier kommt man nicht zufällig hin, fast unsichtbar ist
man für die Autofahrer, die jenseits des Nachbardorfs auf der Autobahn zwischen
den beiden größeren Städten pendeln, die man von hier aus für den
Wochenendeinkauf besucht.</p>
<p>Ich habe zehn Jahre meines Lebens in der kleinen Studentenstadt verbracht, die
man in etwa zwanzig Minuten erreicht. Doch auch zu dieser Zeit war ich
nicht wirklich häufig in dieser Fachwerkidylle, in der sich die pittoresken
Einfamilienhäuser an die Hauptstraße schmiegen, die am Dorfrand einen kleinen
Bach überquert, der dieser Einöde seinen Namen verleiht.</p>
<p>An Wochenendtagen bin ich stets der letzte, der aus dem Obergeschoss
herunterkommt und von den anderen zum Frühstück erwartet wird. Hier hat
alles seine Ordnung; auch wenn ich den ersten Kaffee des Tages lieber im Bett
trinken würde ist dies eine Unmöglichkeit.</p>
<p>Während ich mich am warmen Getränk festhalte, setzt die alte Maschine in der
Küche zur zweiten Runde an, die mit meinem zweiten Kaffee viele Minuten später
endet. Nicht zu spät, denn samstags stehen Besorgungen an: Eier vom
Bauernhof am Ende der Straße (wie jeden Samstag), Honig vom Nachbarn am
Dorfplatz (nur wenn wir hier sind). Und der Besuch bei jener alten Dame, die
schräg gegenüber des kleinen Spielplatzes an der Brücke wohnt und die uns
erwartet.</p>
<p>Unser Besuch spricht sich herum.</p>
<p><img alt="Born to ride" src="pictures/ride.jpg" /></p>
<p>Eine Reise zu einem Elternteil ist - neben einer Reise in eine andere Welt -
auch immer ein Besuch der eigenen Vergangenheit. Dieses Mal legt man ein mir
unbekanntes Foto vor. Ich erkenne mich sofort und meine Mutter im Hintergrund
auf der Baustelle jenes Hauses, in dem ich meine Schulzeit verbringen werde.
Neunzehnhundertfünfundachtzig oder neunzehnhundertsechsundachtzig.</p>
<p>An diesem Ort bin ich lange nicht gewesen. Am Vormittag der Beerdigung meines
Großvaters, mit der die Zeit meiner Familie dort endgültig zu Ende ging
(genaugenommen war sie bereits zu Ende, da mein Großvater einige Jahre vor
seinem Tod in eine andere Stadt gezogen ist, doch sich wünschte, seine letzte
Ruhestätte neben meiner Großmutter zu finden) habe ich mein Auto auf dem kleinen
öffentlichen Parkplatz abgestellt, den ich als Kind nie wahrgenommen habe.
Schräg gegenüber beginnt die Sackgasse, in der mein Elternhaus steht, das seit
zwanzig Jahren nicht mehr im Besitz meiner Familie ist.</p>
<p>Ich bog in den kleinen Trampelpfad hinter dem Haus meiner ehemaligen Nachbarn
ein, ging durch den kleinen Wald, dessen Wege mir als Kind endlos breiter
vorkamen als an jenem Vormittag. Ich fand den Felsen mit dem Loch, wo wir
als Kinder zündelten und an dem ich meine Armhärchen in einer Stichflamme
verlor. Über die Straße, hinter dem Sportplatz entlang und über den Zeltplatz
hinein in den Wald, in dem wir als Grundschüler im Heimatunterricht Staudämme
bauten und Nistkästen aufhängten.</p>
<p>Die große Spazierrunde meiner Großmutter, die sie viele Jahre lang zurücklegte
mit dem Berner Sennenhund meiner Kindheit und schließlich noch viele Jahre
allein. Wenn ich oben von "meiner Familie" spreche, beziehe ich mich auf die
Familie, die mich in meiner Kindheit umgab. Von ihr ist niemand mehr übrig als
mein Vater und ich.</p>
<!--![Neununddreißig Jahre später](pictures/39years.jpg)-->

<p>Ein schönes Foto. Mit meiner Mutter im Hintergrund.
Sie ist bereits mehr als sechs Jahre tot.
Manche Fotografien wirken wie Zeitmaschinen. Und wenn ich mich darauf einlasse
kann ich es immer noch spüren.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[23]]></title>
        <link href="https://fallenbeck.com/23.html"/>
        <id>https://fallenbeck.com/23.html</id>
        <updated>2024-04-08T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Als ich heute vor dreiundzwanzig Jahren mit dem Bloggen begann, <a href="https://www.livejournal.com/userinfo.bml/?user=freke">registrierte
ich mich bei LiveJournal</a>.
Mein letzter Beitrag auf dieser Plattform stammt <a href="https://freke.livejournal.com">aus dem Dezember
2016</a>, die seit 2004 jedoch nur noch als "Backup"
bespielt habe.</p>
<p>Relativ schnell bin ich auf einen eigenen Server umgezogen und wählte
Wordpress als Plattform, um meine Gedanken zu veröffentlichen. Das war mehr oder
weniger schmerzhaft, was nicht an der Pflege des Servers lag (den ich bzw. wir
in ähnlicher Weise noch heute betreiben), sondern vor allem an Wordpress selbst.</p>
<p>Als meine Zeit (besser: Bereitschaft) zum Bloggen weniger wurde, was man an den
Abständen zwischen den Beiträgen gut erkennen konnte, war ich auch nicht mehr
bereit, Wordpress in Sachen Security-Updates hinterherzulaufen. Außerdem schien
mir Die Software abzugleiten in Richtung Kompexlitätsmonster.</p>
<p>Da ich derlei Dinge nicht wirtschaftlich betrachten muss oder will, fing ich an,
einen Generator für statische HTML-Seiten zu schreiben, der seitdem diese
Webseite erzeugt, mein Blog. Hier bremsen weder serverseitige Magie noch
Tracking- oder Analysetools für das Nutzerverhalten im Blog. Ich weiß nicht, ob
diese Texte hier jemand liest, was mich wundersam frei macht in meinen Gedanken.
Leider ist die Kommentarfunktion deswegen nicht mehr vorhanden, aber wer mich
erreichen mag, kann dies gern über
<a href="https://social.fallenbeck.com/@niels">Mastodon</a> oder eMail (ich bekomme und
beantworte wirklich gerne eMails). Dafür kann jeder zuhause betriebene Raspberry
Pi diese Seite betreiben.</p>
<p>Warum ich das schreibe? Weil ich den Quellcode auf GitHub veröffentlicht habe:
<a href="https://github.com/fallenbeck/pylive">pylive auf GitHub</a></p>
<p>Wenn ich irgendwann (in 19 Jahren?) wieder mehr Zeit damit verbringe, zu
programmieren, dann schreibe ich alles noch einmal neu. Natürlich in Rust. 🦀</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Thock!]]></title>
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        <updated>2024-03-21T00:00:00+01:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Ich würde mich nicht als Keyboard-Nerd bezeichnen. Mein Bezugspunkt sind
Menschen rund um den <a href="https://www.clickclackhack.de">Click Clack Hack!</a>-Podcast,
die bis zur Hutkrempe im Kaninchenbau sitzen, die ihre Tastaturen nicht nur
selbst bauen, sondern auch - samt Keycaps - selbst entwerfen.</p>
<p>In dieser Sache sah und sehe ich mich noch immer eher als Anwender: Ich möchte
einfach eine sehr gute Tastatur, weil sie das Hauptinterface zu dem Computer
darstellt, an dem ich viele Stunden pro Tag verbringe.
Um einen Freund sinngemäß zu zitieren: Ich wollte kein neues Hobby, ich wollte
nur eine gute Tastatur.</p>
<p>Er erwehre mich seitdem jenem Sog, der einen erfasst, wenn man versucht
herauszufinden, was man eigentlich möchte, so gut es eben geht. An manchen Tagen
gelingt mir das besser als an anderen.
Heute kommen neue Keyboard Switches.</p>
<p>Ich liebe die (clicky) Cherry MX Blue, aber ich hatte schon Kollegen aus einem
der Nachbarbüros in meinem stehen mit der Frage, ob ich meinen Bürokollegen
nicht nerve. Und ehrlich: An den MX Blue gefällt mir allein das Tippgefühl, den
Klang finde ich schrecklich. Nur habe ich bislang noch keinen taktilen Switch
gefunden, der sich ähnlich gut anfühlt. Noch.</p>
<p>Ich sehe jene Investition als eine in meine persönliche zukünftige Gesundheit.
Auf verschiedenen Ebenen.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Datenfernübertragung]]></title>
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        <id>https://fallenbeck.com/datenfernuebertragung.html</id>
        <updated>2023-11-04T00:00:00+01:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Vor ein paar Tagen wurde die <a href="https://freakshow.fm/fs270-computer-im-regen">270. Folge des
Freakshow-Podcasts</a>
veröffentlicht. Darin war Hans Hübner zu Gast, einer jener Menschen, die ich
<a href="https://freakshow.fm/fs167-hacker-nr-5">um ihre frühe Geburt</a> beneide.</p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Heinrich_Hübner">Hans Hübner</a> ist etwa zehn
Jahre älter als ich und während ich Mitte der Neunzehnhundertneunziger Jahre
mein folgenschweres Kennenlernen mit einem Modem hatte, war er bereits seit zehn
Jahren in den Datennetzen unterwegs. Was müssen das für Zeiten gewesen sein!</p>
<p>Vermutlich 1994 erzählte mir ein Schulfreund, dass er einen neuen Computer habe
- einen Pentium 60 in einem von Colani designten Tower-Gehäuse von Vobis (<a href="https://www.schmalenstroer.net/books/Alte%20Kataloge/Vobis%20Denkzettel%201993-12-03.pdf">Seite
3</a>).
Mit diesem Rechner kam ein entsprechender Monitor und ein 14.400 Baud
schnelles Modem. Ich erinnere mich, dass ich ihm im Laufe des Abends, an dem
ich mir seinen Computer ansehen durfte, zehn Mark für die entstandenen
Telefonkosten gegeben habe, die für die Verbindung zur Vobis-Mailbox
angefallen sind, an der sich 40 (in Worten: vierzig) Nutzer gleichzeitig
anmelden konnten. Ich kann die Telefonnummer nach beinahe 30 Jahren noch
auswendig: 02405 94047. Wenig später kaufte ich für 400,- Mark mein erstes
eigenes Modem, ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Elsa_MicroLink_288TQV_mod01_res.jpg">Elsa Microlink
28.8TQV</a>.</p>
<p>In der Zeit danach betrieb ich eine eigene Mailbox mit leider nur einer einzigen
gleichzeitigen Einwahlmöglichkeit. Hin und wieder schreckte ich wegen des
"SysOp-Rufs" hoch, den eingewählte Nutzer auslösten, um mit mir zu chatten.
Das FidoNet habe ich damals nur am Rande wahrgenommen, erst später habe ich
verstanden, was ich damit verpasste.</p>
<p>Als ein Freund 1996 von seinem Austauschjahr aus den USA zurückkam und erzählte,
dass seine Gastfamilie einen AOL-Internetanschluss besäße, ging ich meinen
Eltern lange genug auf die Nerven, dass auch wir einen solchen bald zu
Hause zur Verfügung hatten. Neben der begeisterten Schilderung meines Freundes
war sicher hilfreich, dass AOL die Haushalte damals mit CDs geflutet hat, auf
denen die Zugangssoftware verteilt wurde.</p>
<p>Im Jahr 2000 begann ich mein Studium in Frankfurt am Main. Weil ich keinen
Internetanschluss in meiner Wohnung hatte, war ich auf das
Universitätsrechenzentrum und die
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iomega_Zip">ZIP-Drives</a> in den dortigen Computern
angewiesen, mit denen ich 100 MB pro Diskette zwischen meiner Wohnung und dem
Internet transportieren konnte: Ich plante also vorab, was ich herunterladen
wollte, ging in einen der Computersäle, lud die Dokumente und Dateien in, für
damalige Verhältnisse, aberwitziger Geschwindigkeit herunter, speicherte sie
auf einer meiner beiden ZIP-Disketten und sichtete das Material anschließend zu
Hause.</p>
<p>Nach meinem Wechsel des Studiums, der Universität und der Wohnung, trat mit dem
eigenen Internetanschluss und einem - hauptsächlich von meinem damaligen
Mitbewohner - in der dortigen Linux User Group organisierten Power-PC-basierten
Router das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Relay_Chat">IRC</a> in mein
Leben; aus dieser Zeit sind einige Freundschaften erhalten.</p>
<p>Seit dieser Zeit und heute liegen beinahe zwanzig Jahre.
Diese kommen mir längst nicht so intensiv vor wie die zehn Jahre davor.
Hauptsächlich liegt das sicher an jener Zeit meines Lebens, in der ich mehr
Freiheiten hatte für solche Dinge, und an meinem Informatikstudium, während dem
ich mich (von Berufs wegen!) austoben konnte in diesem Bereich.
Aber eben nicht nur.</p>
<p>Ich denke hin und wieder wehmütig zurück, an die Gespräche im IRC, an die Soft-,
aber hautpsächlich die Hardware dieser Tage. Ich weiß selbst, dass früher nicht
alles besser gewesen ist, dass man rückblickend verklärt.</p>
<p>Vielleicht liegt es an meinem Alter, denn heute bin ich einer der Alten. Nicht
so alt wie Hans Hübner vielleicht, doch Dinosaurier genug, um sagen zu können,
dass es Dinge gibt, die mir damals besser gefielen und die ich heute vermisse.
Dinge, die ich meinen Kindern gerne irgendwie zeigen und vermitteln würde. Die
Dinge hinter Snapchat und hinter BlueSky.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Wir Bayern]]></title>
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        <updated>2023-09-26T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Als wir dieses Wochenende auf einem (von einem atemberaubend schnell durch den
Wald fahrenen Traktor gezogenen) Anhänger kauerten, stimmte ein Teil jener
Gruppe von Kindern, mit denen ich dort war, einem ein Fußball-Fan-Gesang
gleichendes "Süddeutschland!" an. Sie trugen Fußballtrikots der deutschen
Fußballnationalmannschaft.</p>
<p>Ich frage mich seit langer Zeit, warum ich mit Nationalstolz, Heimatliebe und
Fußball so wenig anfangen kann. Ich wundere mich; einen Anlass hatte ich keinen:
Aus gutem Hause stammend und auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen, wie
mein gesamter Freundeskreis damals auf dem Land. Wir hatten den Gratismut,
"Nazis raus" zu rufen, aber wir meinten es ernst.</p>
<p>Ich habe jedes Mal ein sehr unangenehmes Gefühl im Magen, wenn etwas solches
geschieht. Daher gehe ich nicht in Fußballstadien, daher sitze ich mich schämend
auf Anhängerladeflächen. Ich kann nicht verstehen, dass jemand vom Fußball
behauptet, es ginge allein um den Sport, Fangesänge und Tribünenbesucher
toleriert und gleichzeitig (und zurecht) jene Menschen verurteilt, die neben
Nazis auf Impfgegnerdemonstrationen marschieren. Wie es für mich jedwede
Demonstrationen mit Nazibeteiligung unmöglich macht, macht es für mich den Sport
Fußball unmöglich.</p>
<p>Ich finde furchtbar, was Bayern auf sich hält, wie ich furchtbar fand, was
Hessen auf sich hielt, als ich noch dort lebte.
Ich finde schlimm, wenn jemand "Süddeutschland!" ruft.</p>
<p>Aiwanger hat Glück gehabt, dass vielen die Heimatliebe und das Bier lieber sind
als alles andere.</p>
<blockquote>
<p>Wo auf den Flugblättern stand, dass der Hauptgewinn sei, Juden in Auschwitz zu
vergasen. Ich finde, ihr hättet um eurer Glaubwürdigkeit willen und eures
moralischen Rosses wegen, Tag und Nacht vor der bayerischen Staatskanzlei
Mahnwache stehen müssen, bis sie alle abtreten. Stattdessen sucht ihr in
Bayern gerade die Öffnung in euren Köpfen, um euch das Bier reinzuschütten.
Eben rasch »Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz« und »kostenloser
Genickschuss«, dann werden die Wadeln in die Strümpf gestopft und es wird
besinnungslos gesoffen. Das Leben geht weiter. So praktiziert ihr es seit Mai
’45.</p>
</blockquote>
<p><a href="https://kolumne.gorki.de/kolumne-135/">Dieser Text</a> hat mich sehr getroffen und
resoniert in mir unangenehm stark. Vielleicht habe ich endlich einen Hinweis
gefunden für mein Bauchgefühl.</p>
<p>Ich würde mich schämen, wenn ich später auf die Frage "Wo bist Du gewesen, als
alles begann?" antworten müsste: "Im Fanblock."</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[🚀 To the moon!]]></title>
        <link href="https://fallenbeck.com/to-the-moon.html"/>
        <id>https://fallenbeck.com/to-the-moon.html</id>
        <updated>2023-08-07T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Draußen regnet es Bindfäden, waagrechte Bindfäden, da der Wind diesem
Sommerwetter in nichts nachstehen mag. Das gibt mir immerhin die Möglichkeit,
etwas an meiner Software zu arbeiten, mit der ich zukünftig meine Texte
veröffentlichen möchte.</p>
<p>Die Datenstruktur der Zukunft heißt Blogchain!</p>
<p>Es macht Spaß, vor sich hin zu programmieren; wahrscheinlich lenke ich mich
damit von der Tatsache ab, dass Ende letzter Woche zwei Freunde einen alten
Bauernschrank abgeholt haben, den ich seit Kindheitstagen als Kleiderschrank
verwendet habe. Viele der Schrammen und Macken haben eine Geschichte, die ich
noch erzählen kann. Jetzt steht dieser Schrank in der Wohnung einer Familie mit
drei Kindern, die dringend einen Kleiderschrank suchten.</p>
<p>Ich dachte, dass ich mich mittlerweile einfacher von Dingen trennen könnte. Ich
dachte wirklich, ich habe das endlich gelernt.
Am Freitag Abend blieb ich extra lange im Büro, um mich der Situation zu
entziehen.</p>
<p>Ich bin noch immer ein Kind.
Nur heute eines ohne Schrank.</p>
        ]]></content>
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    <entry>
        <title type="html"><![CDATA[Techniker ist informiert!]]></title>
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        <updated>2023-07-27T00:00:00+02:00</updated>
        
        <content type="html"><![CDATA[
            <p>Es ist einige Zeit her, dass ich meine alte Wordpress-Installation und meine auf
PHP basierende Webseite durch eine einzelne statische HTML-Datei ersetzt habe.</p>
<p>Ebenso lange vermisse ich mein Blog. Ich habe meine Webseite nicht neu erstellt,
weil ich nicht mehr bloggen wollte; dies hatte ausschließlich technische Gründe.
Die Aussicht auf die Installation eines neuen Servers und auf die Fingerübung,
ein eigenes Tool zur Erstellung und Veröffentlichung (m)einer (neuen) Seite zu
schreiben, hatten mich motiviert, Wordpress abzuschalten, lange bevor ich eine
neue Möglichkeit hatte, Texte auf meine Webseite zu stellen.</p>
<p>Ich wurde von einer Zeitknappheit überrascht, die all dies weiter in die Länge
gezogen hat, als es ursprünglich geplant war.</p>
<p>Es wird vielleicht knarzen, möglicherweise ist sogar etwas kaputt. Das
allerdings gehört zum Bauen dazu. Es wird Neues geben. Ich habe Pläne. Nur Zeit
habe ich keine.</p>
        ]]></content>
    </entry>
    
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